Donnerstag, 21. Juli 2016

Jacques-Brel-Chansonabend im Kulturmuseum Fünte

Niemand muss mehr um den großen Jacques Brel trauern – lauscht nur Hildegard Meier und Wolfgang Jaegers.
Jacques Romain Georges Brel, der 1929 in Schaarbeek/Belgien geboren wurde, begann seine Karriere als Chansonnier. Sein Durchbruch begann Ende der 1950er Jahre. Erst viel später (auf dem Höhepunkt seiner Karriere 1967), fühlte er sich der Schauspielerei hingezogen. Doch dazwischen erfreute er nicht nur die Franzosen mit Songs wie "Ne me quitte pas", "Amsterdam", "Le plat pays" oder sogar seinem unvergessenen und immer noch stark bewegenden Song "Madeleine".
Jacques Brels einzigartige Chansons führten durch romantische Liebe bis hin zu scharfer Gesellschaftskritik. Einer der wirklich ganz Großen! Und ein anderer der ganz Großen der Kulturszene, kein Geringerer als Frank Bruns, holte Jacques Brels Charme und Können am 9. April in die Fünte nach Mülheim a. d. Ruhr.
Die Erwartungen an diesen Abend waren riesig , aber es blieben keine Wünsche offen. Jede kleinste Bewegung, jeder Ton und auch das unvergessene Flair Brels wurden geboten, nur eben auf weiblicher Art und Weise. Ich sage jetzt nur einen Namen: Hildegard Meier!
Diese wahnsinnige Frau begeisterte durch ihre unheimlich faszinierende Ausstrahlung und verzauberte ihr Publikum mit ihrer begnadeten Stimme! Und natürlich mit dem unvergessenen "Brel-Charme"!
Schon allein, wie sie ihren Platz in der Fünte einnahm! Zuerst hörten wir ihre rauchige Stimme, die unterstützt wurde von den gekonnten, passenden Akkordeontönen ihres Bühnenpartners Wolfgang Jaegers. Hildegards Stimme verführte uns schon, noch bevor wir sie sehen konnten. Und dann erschien die Lady langsam und würdevoll. Schon bei ihrem ersten Lied hielten wir alle den Atem an. Und mit demselben Faszinosum führte sie uns durch den gesamten Abend.
Träumerische Brel-Songs verliehen uns das romantische Gefühl, in einem Pariser Bistro zu sitzen. Dazwischen gab Hildegard Meier aber auch "Kölsche Töne" zum Besten oder weihte uns in Jacques Brels provokantes Leben ein. Wir schmunzelten über den "Pastor" (wie der Chansonnier von Künstlerkollegen scherzhaft genannt wurde), der nicht das sagte, was er wirklich auslebte. Wir erfuhren etwas über Brels Ehen, seinen Leidenschaften und auch viel über seine letzte Liebe Thérése Michielsen, von ihm liebevoll "Miche" genannt. An ihrer Seite segelte er 1977 hinüber zu den "Marquesas-Inseln" und verfasste dort seinen letzten Song "Les Marquises".
Hildegard Meier überlieferte uns in der Fünte so viel aus Jacques Brels Leben und insofern vermisste ihn an diesem Abend niemand von uns. Wir hatten ja "ihre" Chansons – live, begleitet vom Akkordeonvirtuosen Wolfgang Jaegers. Hildegard Meier sang Jacques Brels Lieder völlig überzeugend. Sie ahmte den Star nicht nach, sondern gab den Chansons ihre eigene Note – und genau deswegen gelang es ihr, die Intensität und das Gefühl einzufangen.
"L'abbé" Brel suchte in seinem Leben die Herausforderung bis zum Exzess und fragte sich dabei, warum die Liebe manchmal so schal schmeckt. Gleichzeitig sang er von Mut und Zuversicht, davon, das die Liebe lebt. Und das tut sie auch, man sollte nur nicht "zu stark daran drehen".
Hildegard Meier verbeugt sich vor Jacques Brel, wir verbeugen uns vor ihr, denn sie selbst war sicherlich die Offenbarung des Abends.
"Plus est en toi" ("In dir steckt mehr") wurde einmal zu dem großen Jacques Brel gesagt. Ich persönlich finde, dieser Satz gilt auf keinen Fall für Hildegard Meier, Wolfgang Jaegers und erst recht nicht für Frank Bruns, der uns diesen außergewöhnlichen Abend in seinem Kulturmuseum Fünte ermöglichte! Hiermit ein "Merci beaucoup" für diesen wirklich berauschenden Abend!
(Fotos: Frank Gebauer / Text: Tina Becker)

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